Ennis Del Mar : Heath Ledger
Jack Twist : Jake Gyllenhaal
Alma Del Mar : Michelle Williams
Lureen Newsome : Anne Hathaway
Joe Aguirre : Randy Quaid
Directed by Ang Lee; screenplay by Larry McMurtry & Diana Ossana, based on the short story by Annie Proulx; cinematography by Rodrigo Prieto; edited by Geraldine Peroni & Dylan Tichenor; original score by Gustavo Santaolalla; production designed by Judy Becker; costume design by Marit Allen
VON DENNIS EBERT
Als ich Heath Ledger vor ein paar Jahren in Marc Forsters "Monster's Ball" gesehen habe, wurde mir klar, dass in ihm ein sehr fähiger Schauspieler steckt, auch wenn er es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht zeigen konnte. Die Rolle des Sohns von Billy Bob Thorntons Charakter war kurz, unbequem und herausfordert. Etwas, was die meisten Jungstars ungern anfassen; er tat es mit überzeugender Eindruckskraft und nistete sich in mein Gedächtnis ein. All das konnte mich aber nicht im Geringsten darauf vorbereiten, was er mit seiner Rolle des Ennis Del Mar in "Brokeback Mountain" bewerkstelligt. Hier haben wir seit langem mal wieder einen Schauspieler der komplett in seiner Rolle verschwindet und mit leidenschaftlichem Einsatz von Leib und Seele einen völlig authentischen Charakter erschafft. Während des Films habe ich mich dabei ertappen müssen seine Leistung mit Marlon Brando in "On The Waterfront" zu vergleichen und fast auf eine gleiche Stufe zu stellen. Ennis Del Mar zeigt eine ähnliche Verletzlichkeit und dennoch starke Präsenz wie Brandos Terry Malloy. Der Vergleich ist eine kühne Idee, immerhin ist Brandos Arbeit in diesem Film wahrscheinlich eine der größten Schauspielleistungen aller Zeiten. Dennoch, meine Feststellung hat weiterhin Bestand; auch einen Tag nachdem ich den Film gesehen habe und diese Zeilen schreibe. Man muss schon mehrere Jahre zurückgehen, bis etwa Geoffrey Rush in "Shine" (1996), um eine qualitativ ähnlich hochwertige männliche Hauptdarstellerleistung zu finden.
Ang Lees Verfilmung der gleichnamigen Kurzgeschichte von Annie Proulx ist grundlegendst eine romantische Liebesgeschichte und Studie über persönliche Entscheidungen und ihre Konsequenzen. Wenn man mittlerweile nicht mitbekommen hat, dass es um eine Beziehung zwischen zwei homosexuellen Cowboys im Amerika der 60-iger Jahre geht, muss man das letzte halbe Jahr hinter dem Mond gelebt haben. Die Presse hat diese Tatsache zuletzt so breit getreten, dass es nicht viel Marketing der Produzenten bedarf um den Film in der Öffentlichkeit zu halten. Dass es sich nun unbedingt um zwei schwule Männer handeln die sich lieben, ist eigentlich unerheblich. Es geht um eine vom Unglück verfolgten Liebe, die Welt um sie herum macht sie unmöglich. Eine Thematik die schon ähnlich vor mehreren Hundert Jahren von William Shakespeare aufgegriffen wurde. Homosexualität presst die Geschichte in unsere heutige Zeit und zeigt uns, dass wir noch lange nicht dort angekommen sind, wo wir eigentlich schon immer sein sollten.
Dreh und Wiederkehrpunkt der Handlung ist der Berg "Brokeback Mountain", dort heuern 1963 Ennis Del Mar und Jack Twist (Jake Gyllenhaal, ebenfalls in einem Karrierehöchstpunkt) als Schaftreiber an. Beide stellen sich ihrer Aufgabe eher schlecht als Recht und raufen sich gemeinsam zusammen um den Job über die Bühne zu bringen, denn sie brauchen das Geld. Schon in diesen frühen Szenen ist man froh einen so fähigen Regisseur wie Ang Lee zu haben, der sich vor allem als Meister der Beobachtung von zwischenmenschlichen Beziehungen etabliert hat. Man denke nur z.B. an seine 70-iger Jahre Studie "The Ice Storm" oder das Frühwerk "Eat Drink Man Woman". Lee zeigt uns, sehr behutsam und vorsichtig, das sich zwischen den Ennis und Jack vielleicht etwas abspielt, was nicht unbedingt zu erwarten ist. Die aufgebaute Spannung entlädt sich in schnellem Sex nach zuviel Alkohol. Am nächsten Morgen sind sich beide klar: das war eine einmalige Sache und "sie sind nicht schwul". Diese "Feststellung" ist aber schnell wieder verflogen, denn sie können nicht mehr ohne einander: sie haben sich verliebt. Beim Abstieg des "Brokeback Mountain" besprechen sie ihre weiteren Lebenspläne: Ennis möchte heiraten und Jack seinem Vater auf der Ranch aushelfen, eben das was von einem jungen Mann zu ihrer Zeit erwartet wurde.
Wir sehen wie die Ehen von beiden über die Jahre scheitern und alles was ihnen bleibt sind ab und zu ein paar gemeinsame Angelausflüge zum "Brokeback". Für Jack nicht genug: er träumt von einer gemeinsamen kleinen Ranch auf der sie in Frieden zusammen leben können. Ein Gedanke der dem reservierten Ennis zu optimistisch erscheint. Er weiß dass offen lebende Homosexuelle gefoltert und ermordet werden, darüber hinaus ist er ein verantwortungsvoller Vater mehrerer Töchter und muss für ihren Unterhalt sorgen. Ennis gibt sich seinem Schicksal hin. Obwohl er Jack in seinem Herzen über alles liebt, kann er seine Liebe nicht ausdrücken und auch nicht aus seinen zum Teil selbst erbauten Mauern ausbrechen. Eine innere Zerrissenheit, die Heath Ledgers herausragendes Schauspiel am deutlichsten zeigt. Jack auf der anderen Seite ist sein (Schein-)Eheleben so satt, dass er für alles bereit ist, eine andauernde wahre Liebe spüren zu dürfen. Das ist das tragischste Element der Geschichte: beide vollen im tiefsten Inneren dasselbe, aber eigene und äußere Einflüsse verbieten es ihnen. Der Film stellt die Frage: soll man sein Lebensglück trotz aller möglichen Konsequenzen trotzdem verfolgen oder sich seinen gegebenen Umständen untertan machen? Instinktiv sollte man auf ersteres Tippen, "Brokeback Mountain" lässt einen aber sich dabei ertappen, noch mal darüber nachzudenken.
Die letzten drei Worte des Films, gesprochen von Ennis, lassen uns lange rätseln und drücken doch all das aus, was er in den vergangenen 20 Jahren nie zu Jack sagen konnte. Auch ein Memento an uns keinen Augenblick und keine Chance im Leben zu vergeuden, denn sie werden nicht zurückkehren.
Kritik vom 21.01.2006. Brokeback Mountain läuft morgen bundesweit in den deutschen Kinos an.

My dear friend Dennis Ebert, I'd love to read what you wrote, but I don't understand german. Could you translate it in english, italian, spanish or french? Thanx JasonxXx