Christopher "Chris" Wilton : Jonathan Rhys-Meyers
Nola Rice : Scarlett Johansson
Chloe Hewett Wilton : Emily Mortimer
Tom Hewett : Matthew Goode
Alec Hewett : Brian Cox
Eleanor Hewett : Penelope Wilton
Written and directed by Woody Allen; cinematography by Remi Adefarasin; edited by Alisa Lepselter; production designed by Jim Clay; costumes designed by Jill Taylor
VON DENNIS EBERT
Woody Allen ist einer der wenigen Regisseure und Autoren die selbst mich noch ab und zu überraschen können, auch wenn ich mit seiner Arbeitsweise und Filmen bestens vertraut bin. Über die letzten Jahre lieferte der New Yorker in den Spätsommern fleißig einen Film nach den anderen ab. Natürlich freute man sich immer wieder über die zuletzt eher seichten Komödien, die zwar tierisch viel Spaß machten aber doch einen leichten Nachgeschmack hatten und meine Gewissheit verstärkte, dass wir wohl nie mehr einen Film in der Qualität von "Annie Hall" oder "Manhattan" sehen werden.
Mit welcher Freude bin ich doch in meiner Vermutung mit "Match Point" entkräftet worden. Hier ist der Film, welcher alle laut gewordenen Zweifler verstummen lassen sollte. Eine Reminiszenz an seine großen Werke aus den späten 70-ger Jahren und Allens bester Film seit "Hannah and Her Sisters". Dabei ist "Match Point" kein typischer "Woody Allen Film" und auch nichts was er bisher in dieser Form gemacht hat. Ebenso fehlt die typische Woody Allen Rolle die er zuletzt mit Schauspielern wie Will Ferrell besetzt hatte. Hier hat er einen exzellenten Thriller geschaffen: innovativ, geistreich, überraschend und sehr sehr clever.
Die Hauptrolle spielt Chris Wilton (Jonathan Rhys-Meyers) der sich als ehemaliger Tennisprofi mehr schlecht als recht mit Trainingsstunden über die Runden schlägt. In dem "Upper Class" Tenniscenter freundet er sich mit Tom (Matthew Goode) an, einem jungen Mann aus wohlhabender Familie. Chris fühlt sich in dem neuen, gehobenen Umfeld merklich wohl und es dauert nicht lange bis Tom ihn mit seiner Schwester Chloe (Emily Mortimer) verkuppelt. Während sie sich voll und ganz in Chris verliebt und schnellstmöglich ein Kind von ihm möchte, schlägt Chris Herz eher für Toms Verlobte Nola (Scarlett Johansson). Als sich zwischen den beiden eine Affäre entwickelt, fällt es Chris immer schwerer die Charade mit seiner Ehe am laufen zu halten. Er muss die für sich sehr schwere Entscheidung treffen zwischen ein Leben in Liebe oder Luxus.
Ähnlich wie bei Clint Eastwood und "Million Dollar Baby", scheint sich auch bei Woody Allen all die gewonnene Film- und Lebenserfahrung der letzten 20 Jahre in einen einzigen Film zu destillieren. Wie jeder seiner Filme ist auch "Match Point" von der Hauptrolle bis zu der kleinsten Nebenrolle perfekt besetzt. Der Mix aus weniger bekannten, aber dafür exquisiten Schauspielern und Veteranen wie Brian Cox verschaffen dem Film eine neugierig machende Note. Eine große Entdeckung ist der bisher wenig bekannte Jonathan Rhys-Meyers, der die Rolle des hin- und her gerissenen Chris absolut überzeugend darbietet und den Rest des Ensembles mühelos an die Wand spielt. Scarlett Johansson ragt in ihrer Rolle als einzige Schauspielerin aus der Gruppe etwas heraus, aber wahrscheinlich nur weil sie die einzige Amerikanerin ist und die Rolle als "Fremdkörper" von Anfang an so angelegt war. Dennoch habe ich ein bisschen mehr Potential in der Rolle gesehen und es wäre interessant zu erfahren, was die (bessere und ursprünglich besetzte) Schauspielerin Kate Winslet aus Nola gemacht hätte. Ein weiterer klitzekleiner Verbesserungsvorschlag von mir wäre noch, den Film in Schwarz-Weiß zu drehen. Es gab mehrere Szenen bei denen ich dachte, wie glorreich sie doch in dem leider etwas aus der Mode geratenen Format ausgesehen hätten. Ganz zu schweigen davon, dass es ungleich besser zu der kühlen und gegen Ende düsteren Stimmung des Films passt. Ich hoffe mal Woody ist der gleiche Einfall gekommen und er wollte nur sein Recht auf volle künstlerische Freiheit mit den Produzenten nicht zu weit strapazieren.
Mit "Match Point" schließt sich nun also der Kreis für Woody Allen. Er hat sich als einer der fähigsten Regisseure und Filmautoren aller Zeiten rehabilitieren und kann genügsam in die Zukunft blicken. Wir können von Glück sagen, dass das Filmemachen seine eigene beste Medizin ist und er uns (vielleicht) noch einen Film dieser Klasse beschert. Meine Hoffnungen der letzten Jahre in diese Richtung waren nicht unnütz wie man sieht.
P.S.: Alles andere als diesen Film in der englischen Originalfassung zu schauen grenzt schon an ein Verbrechen. Die einzelnen britischen Dialekte tragen zum großen Teil der Stimmung des Films bei und gehen durch die Synchronisierung natürlich verloren.

