Marv : Mickey Rourke
Dwight : Clive Owen
Nancy Callahan : Jessica Alba
Hartigan : Bruce Willis
Jackie Boy : Benicio Del Toro
Becky : Alexis Bledel
Directed by Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino; cinematography by Robert Rodriguez; edited by Robert Rodriguez; production designed by David Hack, Jeanette Scott; original music by John Debney, Graeme Revell, Robert Rodriguez
VON DENNIS EBERT
Für "Sin City" müsste man eigentlich eine neues Genre erfinden: den "Film noir noir". Robert Rodriguez Streifen strotzt nur so vor finsteren Gestalten und ist dermaßen düster, wie man es nur aus überstilisierten Comics kennt. Die extrem originalgetreue Adaption von Frank Millers Geschichten ist ein dreiteiliges Epos aus Sex & Crime und gleichzeitig der bildgewaltigste Film seit Richard Linklaters "Waking Life" aus dem Jahre 2001.
Erzählt wird zum einen die derbe Geschichte des übergroßen Marv, gespielt von einem wieder erstarkten Mickey Rourke, der sich auf seine blutrünstige Suche nach dem Killer seiner geliebten "Goldie" macht und dabei auf Kannibale Kevin (Elijah Wood) trifft. Im Mittelteil sticht Gauner Dwight (Clive Owen) in ein Wespennest welches den Waffenstillstand zwischen Polizei und dem Prostituiertenverband Sin Citys auf eine schwere Probe stellt. Im letzten und besten Teil, der am Anfang begonnen und erst am Schluss aufgelöst wird, jagt der scheinbar einzig gute Cop in Sin City (Bruce Willis) einen Kinderschänder (Nick Stahl) über mehrere Jahre und retten dabei die Junge Nancy Callahan (Jessica Alba) vor dessen perversen Gelüsten.
Man sieht also, ziemlich starker Tobak mit dem sicherlich nicht jeder Kinogänger zu Recht kommen wird. Als Hauptzielgruppe des Film sind vorrangig die Fans von Frank Millers Bücher und der Filme von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino angesprochen, der hier bei einer recht makaberen und Tarantino typischen Szene zwischen Benicio Del Toro und Clive Owen Gastregie führen durfte. Man kann sagen, dass Rodriguez die letzten zehn Jahre darauf hingearbeitet hat um fähig zu sein "Sin City" umzusetzen. Seine Sporen hat er sich mit "Desperado" sowie "From Dusk Till Dawn" verdient und sich zuletzt mit den "Spy Kids" herumgeschlagen um die digitale Filmaufnahmetechnik kennen zu lernen. Selbst Digitalpionier George Lucas war behilflich um ihn den einem anderen Kniff beizubringen. All das Wissen war notwendig, um diesen visuell so komplexen Film entstehen lassen zu können. Denn "Sin City" wurde zu 100% auf einen Blue- bzw. Greenscreen Set gedreht, dazu jeder einzelne Schauspieler separat und alles ohne Kulissen. Selbst obwohl sich Mickey Rourke und Elijah Wood einen ziemlich intensiven Kampf auf der Leinwand leisten, haben sie sich selbst bei den Dreharbeiten nicht getroffen. All diese Einzelteile wurden nahtlos am Computer zusammengeführt und in grandiose schwarzweiße Bilder getaucht welche sehr effektiv teilweise koloriert sind um einer bestimmten Person, Szene oder Schauplatz den gewissen eigenen Charakter zu verpassen. Solch ein konzeptionelles Arbeiten zeugt von der Erwachsenheit Rodriguez als fähigen Filmemacher und zollt auch von den Schauspielern großen Tribut, die praktisch ohne Gegenpart Ihre Rollen glaubwürdig spielen mussten. Und hier sticht besonders der großartige Clive Owen hervor der beweist, dass seine klasse Leistung aus dem Vorjahresfilm "Closer" keine einmalige Angelegenheit war und dem Film seine ganz eigene Note verleiht. Im großen Finale des von Willis gespielten schicksalhaften Helden Hartigan mit seinem Widersacher "Yellow Bastard" (erneut Nick Stahl, in entstellenden, preiswürdigen Makeup) trägt der Filme zugleich herrlich skurril abstrakte als auch tragische Züge. Diese seltene Kombination verpasst dem Ende einen Hauch von Realität. Dass die Charaktere wirklich echt sein könnten, macht alles umso eindrucksvoller und "Sin City" zu einem der besten Filme des Jahres.

simbelmyne

Defintiv: Pflichtprogramm! ;-)