Hannibal Lecter : Anthony Hopkins
Clarice Starling : Julianne Moore
Paul Krendler : Ray Liotta
Pazzi : Giancarlo Giannini
Mason Verger : Gary Oldman
directed by Ridley Scott; screenplay by David Mamet, Steve Zaillian; based upon the novel by Thomas Harris; music by Hans Zimmer; cinematography by John Mathieson; edited by Pietro Scalia; production designed by Norris Spencer
VON DENNIS EBERT
Vor fast genau zehn Jahre erschien die Verfilmung des Bestsellers "The Silence Of The Lambs" von Thomas Harris, von Kritikern als auch Publikum geliebt, avancierte der Film in der Zeit zu einem der einprägsamsten Psychothrillern der Filmgeschichte. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 270 Mio. $ war die Idee nach einer mindestes ebenso erfolgreichen Fortsetzung vor vorneherein geboren. Interesse an einem Sequel war zu Beginn von allen Teilnehmern des Erstlings vorhanden. Als nach acht Jahren die Nachfolgenovelle von Harris immer noch nicht fertig war, wurde Regisseur Jonathan Demme ungeduldig, auch die Filmstudios übten langsam Druck aus. Das in Eile fertig gestellte Buch "Hannibal" hat Demme in keiner Weise überzeugt, von ihm als zu blutrünstig und inhaltslos beschrieben, warf er das Handtuch. Kurz darauf verließ auch Jodie Foster, unter ähnlichen Gründen, das Projekt. Einzig Ridley Scott sah sich mutig genug die heiße Kartoffel aufzunehmen. Zusammen mit Foster „Ersatz“ Julianne Moore und Anthony Hopkins setzte er die Saga um einen der berüchtigtsten Charakteren der Filmgeschichte, Hannibal Lecter, fort.
Die zehn Jahre beim FBI haben ihre Spuren bei Clarice Starling (Julianne Moore) hinterlassen: fast schon lethargisch erfüllt sie Ihren Job, der für sie schon zur Routine geworden ist. Die gefeierte Heldin von damals, die dem kannibalischen Massenmörder Hannibal Lecter (Sir Anthony Hopkins) wertvolle Informationen zur Lösung ihres ersten Falles entlocken konnte, ist verblasst und trägt nun einen eher zweifelhaften Titel aus dem Guiness Buch der Rekorde: als die Frau beim FBI mit den meisten Erschießungen. Wachgerüttelt wird sich von dem mysteriösen Millionär Mason Verger (optisch nicht wiederzuerkennen: Gary Oldman), der sie mit Informationen über den Flüchtigen Hannibal Lecter versorgt. Er selbst wurde in Vergangenheit von Lecter schwerst entstellt und brennt auf Rache. Parallel dazu setzt Verger ein Kopfgeld über mehrere Millionen Dollar aus, das das Interesse des italienischen Polizeiinspektors Pazzi (Giancarlo Giannini) weckt. Dieser hat Lecter, nun unter neuer Identität lebend, in der Toskana entdeckt. Starling und Pazzi machen sich auf um Hannibal zu fassen, ohne zu wissen, dass sie selbst schon von ihm gejagt werden...
"Ready when you are." – So beginnt die für mich einprägsamste Szene aus "The Silence Of The Lambs". Lernten wir den charismatischen Dr. Hannibal Lecter bis hierhin als gebildeten, höflichen und fast schon sympathischen Menschen kennen, zeigt er in den kommenden Filmminuten sein wahres, verborgenes Gesicht. Unvergessen ist auch seine erste Erscheinung in dem Film: stoisch steht er in der Mitte seiner gläsernen Zelle, wie eine Wachsfigur, ein Tier im Käfig, fast unwirklich. Obwohl wir Dr. Lecters Vorgeschichte kennen, will uns Zuschauern nicht einleuchten, warum man einen einzigen Menschen so unter Verschluss hält. Das Unbekannte fasziniert uns, die Kerkerszenen ähneln einem Zoobesuch. Der Grund der Isolation wird uns in der zu Beginn erwähnter Szene schnell klar. Wie von höherer Gewalt programmiert bereitet er zu Bachs "Goldberg Variationen" in aller Ruhe seine Flucht vor, indem er seine Handschellen per Kugelschreiber öffnet, während ihm ein letztes, spätes Abendmahl serviert wird. Die Bestie ist nun frei und lässt sich von seinen Urtrieben kontrollieren, was das Todesurteil der beiden Sicherheitsbeamten bedeutet. Mit seelenlosen Augen und blutverschmierter Fratze schlägt sie auf seine beiden Opfer mit einem Polizeiknüppel ein. Das interessante hierbei ist die Kameraperspektive: wir blicken direkt aus der Sicht eines der Beamten auf den enthumanisierten Dr. Lecter. Somit zielt seine Gewalt auch gegen uns, die Zuschauer, und straft uns damit, für ihn, einen anerkannten Mörder und Psychopathen, Sympathie empfunden zu haben. Ein von trieben gesteuertes Individuum wie Hannibal ändert sich nun mal nicht. Erinnern wir uns an das Gleichnis des alten Mannes, der eine fast erfrorene Schlange in seiner Hütte wärmt und somit ins Leben zurückholt. Am nächsten Morgen wird er von dem Tier tödlich gebissen. Als er fragt, warum sie das gemacht habe, antwortete die Schlange: "Ich kann nicht anders, es ist meine Natur." Die Person des Hannibal Lecter kann also gleichgesetzt werden mit weiteren historischen Figuren der Filmgeschichte, wie z.B. Nosferatu, King Kong oder auch dem Monster des Professor Frankenstein. Alles unverstandene und von der Welt verstoßenen Existenzen.
Genau dieses Bild wird in "Hannibal" nicht fortgesetzt. Hier ist er schon seit zehn Jahren auf freien Fuß und vermittelt mittlerweile keinen Anschein mehr einer akuten Gefahr. Heute wandelt er durch die Straßen von Florenz und fällt in der Masse der Menschen nicht mehr auf, er ist keine besondere Erscheinung mehr. Aber genau davon zehrte "The Silence Of The Lambs", von der Faszination des Unbekannten und Unberechenbaren. Wurde hier noch der Horror durch unsere Vorstellungskraft vorangetrieben, wird er uns in "Hannibal" fertig auf einem Tablett serviert, eine klare künstlerische Verfehlung. Die Ungewissheit darüber, was jetzt mit Dr. Lecters Opfern tatsächlich passiert ist, ist viel angsteinflössender, als das uns präsentierte Resultat. Das gleiche Verfahren hat David Fincher in "Seven" meisterlich umgesetzt.
Auch die Motive der einzelnen Charaktere bleiben relativ unklar. Dass Lecter sich gegen Pazzi verteidigen muss ist klar, dass er aber bei dessen Ermordung Spaß empfindet, zumindest sah ich dass so, widerspricht dem Bild von ihm, dass wir in "Silence" bekommen haben. Dort mordet er, weil es zu seinen Trieben gehört, das hat mit Vergnügen nichts zu tun. Julianne Moores Darstellung der Clarice Starling bleibt farblos und völlig unausgearbeitet und lässt viele Fragen offen. Insgesamt scheint die ganze Buchvorlage in einer ziemlichen Hast zusammengeschustert worden zu sein. Ziellos schlendert die Story hin und her, ohne klares Ziel oder Spannungsbogen, um uns zum Schluss noch mal mit einem geschmacklosen Finale schocken zu wollen, vergebens: es lässt den Film unfreiwillig zur Farce mutieren.
Nach all der Kritik möchte ich aber noch ein paar lobende Worte aussprechen. Trotz gravierender Schwächen in der Story gelingt es Anthony Hopkins erneut mit Leichtigkeit in die schwierige Rolle des Dr. Hannibal Lecter zu schlüpfen. Seine Leistung ist der einzige Grund, wenn ich einen nennen müsste, den Film zu sehen. Jedoch hat er wegen des mangelhaften Skriptes keine Chancen, seine meisterhafte Darstellung aus dem Vorgänger auch nur annähernd zu wiederholen. Gary Oldman überzeugt als grässlich entstellter Rachesuchender, obwohl dessen Verbindung mit Lecter nur minimalst in Erfahrung gebraucht wird (seine Maske ähnelt ungewollt belustigend dem Antlitz des Moderators aus "Tales From The Crypt"). Zu guter letzt sei noch die Kameraarbeit von John Mathieson zu erwähnen, der mit seiner Ausleuchtung eine wunderbar düstere Atmosphäre in dem sonst sonnigen Florenz erzeugt.
Abschließend bleibt zu sagen, dass das Fehlen von Jodie Foster keinesfalls als Negativ zu bewerten ist, im Gegenteil: der bessere Künstler des damaligen Traumgespanns Foster / Hopkins spielt in diesem Film zum Glück nicht mit. Woher ich weiß wer der bessere Künstler ist? Ganz einfach: Foster lehnte das Drehbuch zu "Hannibal" ab, Hopkins nicht.
Verfasst am 20.02.2001

echt gute arbeit wirklich ich bin begeistert wieso hat judie foster das drehbuch abgelehnt?der film ist doch super geworden!mfg jaci