Hobie (Will Ferrell) und Melinda (Radha Mitchell) haben viel zu besprechen

Melinda : Radha Mitchell
Hobie : Will Ferrell
Laurel : Chloë Sevigny
Susan : Amanda Peet

Written and directed by Woody Allen; cinematography by Vilmos Zsigmond; edited by Alisa Lepselter; production designed by Santo Loquasto

VON DENNIS EBERT

Alle bangen Woody Allen Fans können aufatmen: der neue Film ist endlich mal wieder richtig sehenswert und erinnert an seine besten Filme wie "Annie Hall" und "Manhattan". Seit "Deconstructing Harry" (1997) gab's von ihm nur mehr oder weniger Durchwachsenes, jetzt hat Woody Allen endlich zur alten (schreib-)Stärke zurückgefunden.

Der Film zeigt zwei Varianten (als Tragödie und Komödie) eines kurzen Ausschnitts des Lebens der exzentrischen Melinda. In der Tragischen ist Melinda gerade von ihrem Ex-Mann geflohen und löst ein längst überfälliges Besuchsversprechen bei ihrer alten Collegefreundin Laurel (Chloe Sevigny) ein, indem sie eines Abends in eine Dinnerparty von ihr platzt und sich in dessen und Ehemann Lees Wohnung einquartiert. Während Melinda sich um das Sorgerecht für ihre Kinder sorgt, versuchen Laurel und Lee sie mit einigen Männern aus dessen Freundeskreis zu verkuppeln. Aber erst der unauffällige Pianist Ellis Moonsong (Chiwetel Ejiofor) scheint das Interesse der depressiven Melinda zu wecken.
Die komödiantische Variante zeigt Melinda als liebenswerte Nachbarin der Independent Regisseurin Susan (Amanda Peet) und dessen Mann, dem Arbeitssuchenden Schauspieler Hobie (Will Ferrell). Da sich in der Ehe zwischen Susan und Hobie nicht mehr viel tut, verliebt sich der leicht tollpatschige Hobie in bester Woody Allen Tradition in die hibbelige Melinda obwohl diese gar kein Interesse an ihm zu haben scheint und sich lieber nach anderen Männern umschaut.

Um euch die herrlichen Allen typischen Irrungen und Wirrungen in seinen Beziehungsgeflechten nicht zu verderben, gehe ich absichtlich nicht weiter ins Detail da hier die Stärken des Films liegen. Das ist immer das Interessanteste in Woody Allens Filmen: nicht das Resultat, sondern der teilweise skurrilen Weg welche die Charaktere beschreiben, um die ihnen gestellten Probleme zu begegnen. Wer mit dem filmischen Lebenswerk von Woody Allen vertraut ist, wird während des Films genau wie ich an der einen oder anderen Stelle herrlich schmunzeln müssen. Entsteht doch der Eindruck, dass Woody Allens "Melinda and Melinda" fast schon eine Parodie auf viele bisherige Woody Allen Filme ist. Wird z.B. an einer Stelle Melindas Mutter die Innenausstatterin erwähnt, ist es doch ganz klar ein Fingerzeig auf Allens wohl anspruchsvollsten und zugleich meist unterschätzen und "auteuristischsten" Film "Interiors" (Diane Keaton als Mutter von Melinda kann man sich durchaus vorstellen). Besondere positive Erwähnung bedarf aber Will Ferrell, von dem wir zwar wissen dass er ein begnadeter Comedian ist, sein Schauspielkönnen bisher aber nie groß auf die Probe gestellt wurde. Ähnlich wie es Paul Thomas Anderson vor ein paar Jahren mit Adam Sandler in "Punch-Drunk Love" gemacht hat und eindrucksvoll zeigte, dass in dem jungen Mann aus ansonsten schlüpfrigen Teeniekomödien doch ein fähiger Schauspieler steckt. Große Regisseure haben also zuletzt mit Erfolg neue Seiten von Publikumslieblingen gezeigt, die man eigentlich nie erahnen würde. Und so spielt Ferrell überzeugend die Rolle des neurotischen und von Selbstzweifeln geprägten Verlierers, die in der Regel von Woody Allen selbst verkörpert würde. Ob diese annähernd 100%-ige Kopie des Schauspiels von Ferrell initiiert oder von Allen selbst beabsichtigt wurde, bleibt Stoff für Spekulationen. Ich tippe aber auf Letzteres, denn der große Maestro weiß was seine Fans sehen möchten, auch wenn er selbst vielleicht zu alt geworden ist, diese Rolle selber zu spielen.